Roboter-Olympiade in China

Roboter-Olympiade in China

Was ist denn da gerade in China los? 2000 Roboter treten bei einer Olympiade an, einer davon ist schneller gelaufen als Usain Bolt – und nebenan prügeln sich andere Roboter im Käfig. Ich erklär euch, was diese Woche in Peking passiert.

Peking, National Speed Skating Oval. Zweite Auflage der World Humanoid Robot Games – der Roboter-Olympiade. Und die Zahlen sind explodiert: Letztes Jahr traten 280 Teams mit gut 500 Robotern in 26 Disziplinen an. Dieses Jahr sind es 666 Teams mit über 2000 Robotern in 51 Wettbewerben – von Sprint über Fußball bis Rettungseinsatz.

Schaut euch mein komplettes Video direkt hier an:

Der Sprint, der die Physik bricht

Der Aufreger zuerst: Der Roboter „Tiangong Ultra“ ist die 100 Meter in 8,86 Sekunden gelaufen. Usain Bolts Weltrekord von 2009 liegt bei 9,58 Sekunden. Ein Roboter ist damit offiziell schneller als der schnellste Mensch der Geschichte – und das ist keine Eintagsfliege: Vor drei Tagen lag die Bestzeit noch bei 9,39 Sekunden, letztes Jahr bei 21,5. Über 12 Sekunden schneller in zwölf Monaten – für einen Menschen wäre das nicht mal in hundert Jahren drin. Elegant war die Landung trotzdem nicht: Nach der Ziellinie ging es für die Sprinter direkt in die gepolsterte Bande statt ins Gras.

Usain Bolt beim 100-Meter-Finale, Olympia Rio 2016
Usain Bolt beim 100-Meter-Finale in Rio 2016. Foto: Fernando Frazão/Agência Brasil, Lizenz CC BY 3.0 BR, via Wikimedia Commons.

Ein Rundgang durch die Disziplinen

Und der Sprint ist nur ein Programmpunkt von vielen. Fußball läuft inzwischen komplett autonom, ganz ohne Fernsteuerung. Beim Tennis hat der Hersteller Galbot erstmals einen echten Menschen gegen einen Roboter antreten lassen. Dazu Tischtennis, Hochsprung – und Kickboxen. Bei der Eröffnung sind außerdem 50 Tiangong-Roboter in perfekt synchronisierter Formation über die Kurve marschiert. Keine Marionetten an Fäden – jeder einzelne läuft für sich.

Kickboxen – und nebenan die echten Roboterkämpfe

Beim Kickboxen lohnt sich eine kurze Einordnung: Das ist gerade sowieso DAS Ding in China. Parallel zu den Games läuft in Peking die World Robot Conference – auch diese Woche, auch mit Robotern, die sich gegenseitig boxen. Und in Shenzhen ist zeitgleich das „Ultimate Robot Knock-out Legend“-Turnier gestartet – echte Roboter-gegen-Roboter-Kämpfe. Manche kämpfen angeblich sogar weiter, wenn ihnen mitten im Gefecht der Kopf abfliegt. Das Kickboxen bei der Olympiade ist da fast schon der harmlose Rand vom großen China-Roboter-Kampf-Trend gerade.

Der Kollege, den keiner gefragt hat

Und jetzt der Teil, der mich als Kameramann persönlich getroffen hat: Zwischen den Sprintern läuft die ganze Zeit noch wer anders mit – ein Roboterhund mit Kamera drauf, der als Kameramann neben den Athleten herjoggt. Und an einer der großen Studiokameras steht ein humanoider Roboter, der die Kamera bedient. Die Roboter-Olympiade wird teilweise von Robotern gefilmt. Herzlichen Glückwunsch, liebe Sportler – ihr werdet ersetzt. Und ich steh daneben und denk mir: Sagt mal Bescheid, wenn’s bei mir soweit ist.

Ein paar Fail-Momente, die schon kursieren

Bis mein eigenes Video fertig ist, hier schon mal ein paar Ausschnitte, die diese Woche rund um die Games die Runde gemacht haben:

Ein Roboter kracht mitten in der Gewichtheben-Finalrunde in den Tisch der Kampfrichter:

Der virale Wand-Crash beim Sprint-Training, bei dem es ordentlich Funken gab:

Ein Roboter, der bei einer Sprint-Demo tatsächlich in Flammen aufgegangen ist:

Und wer nicht genug kriegen kann: eine ganze Zusammenstellung der größten Ausfälle der Games:

Fazit

Von 500 auf 2000 Roboter, von 21 Sekunden auf 8,86 – das ist kein gemütlicher Anstieg, das ist ein Sprung. Ich bin gespannt, wo die in einem Jahr stehen. Wahrscheinlich schneller, als ich mit der Kamera hinterherkomme.

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